Weichei

Männliche Heulsusen

Was sind das bloß für Kerle, die man nur daran von Frauen unterscheiden kann, dass sie sich regelmäßig die Backen rasieren oder den Bart stutzen? Aus denen das Weib im Manne spricht, die so gerne am Herd stehen, ständig jammern über ihre kleinen Wehwehchen, sich im Schaumbad aalen und ganz ungeniert literweise Rührungstränen bei Liebesschnulzen oder Heimatfilmen vergießen? Richtige Antwort: Wir haben es hier mit Herr-lichkeiten zu tun, die im Grunde ihres Herzens kleine Mädchen geblieben sind, weil sie vermutlich den Eintritt ins rollenbildformende Flegelalter glatt verpasst haben.

Weichei

Rohes Ei

Empfindlicher Schattenparker

Auch wenn die meisten von ihnen die körpereigene Klimaanlage nutzen, um immer schön cool zu wirken, so sind solche Vernünftlinge bei drohenden Überhitzungsrisiken doch lieber ein bisschen vorsichtiger, als unbedingt nötig wäre. Wer kann, der (sonnen-)hüte sich vor emotionalen Strahlen, um seine Haut zu retten und reibe sich großflächig mit Schutzfaktor "mindestens 27" ein, damit er niemals an einer heißen Beziehung die Finger oder den Mund verbrennt. Zurückhaltung ist das Zauberwort, doch es wischt auch manche Freude fort, und weil dieser Sicherheitsfanatiker nichts wagt, klappt selten mit dem Gewinnen.

Spiegelei

Zivilisationsverwöhnter Warmduscher

Sauna ohne Abkühlschock, beheizte Schwimmbäder und daheim statt der üblichen Nasszelle eine Wellnessoase - ja, der gepflegte Mann von heute stellt für sein Leben den Schonwaschgang ein. Auch für die inneren Regionen sorgt er mit ausgewogener Nahrungszufuhr und besonders im tiefer liegenden Bereich hält er den Ball flach. Denn seine sensible Seele bettet er gerne auf glattgebügelte Emotionen, hüllt sie in streichelweiche Frotteeware und hat seine zwischenmenschlichen Beziehungen immer gerne in trockenen Tüchern.

Faules Ei

Zahnarztterminverschieber

Erst hat er eine große Klappe und wenn’s drauf ankommt, dann zögert er die alltäglichen Mutproben so oft oder lange hinaus, bis sich manches von alleine erledigt. Seinen Kosenamen "Kleiner Feigling" trägt er mit der den Umständen entsprechenden Demut, schließlich ist er bekennender Konfliktverweigerer und umfährt unangenehme Situationen gerne weiträumig. Doch wenn kein Ausweichen möglich ist, erträgt er doch tapfer alles, was auf ihn zukommt - ganz einfach weil er sich nicht traut, laut zu jammern.

Pochiertes Ei

Sanfter Softie

Die säuselnden Töne aus dem Munde eines Leisetreters klingen gar lieblich in zarten Frauenohren, denn die Damenwelt im Allgemeinen ist ja gar nicht so erpicht auf Tarzanschreie aus voller Muskel-Brust und in speziellen Fällen kann notfalls ein Quoten-Macho aushelfen. Weichherzige Männer umfangen nicht mit starken Armen ihre Partnerin, dafür werden sie dieselbe auf zarten Hebammen-Händen tragen, ihr jeden Wunsch von den Augen ablesen, ihr täglich das Herz zu Füßen legen, die schweren Einkaufstaschen schleppen, Autotüren aufhalten und sogar mit ihr Schuhe shoppen.

Rührei

Femininer Frauenversteher

Nur wenn er in eine männliche Hauptrolle gedrängt wird, stellt er sich an wie der erste Mensch, doch er ist der letzte Romantiker und weiß, was Weiber wünschen. Nämlich offene Ohren für alle Kümmernisse, eine kuschelige Schulter zum Ausheulen, höfliche Zurückhaltung bis in die Fingerspitzen während gewisser Stunden, das geschulte Auge des eselsgeduldigen Einkaufsberaters, ausgesuchte Komplimente aus freundlichem Mund, stabile Beine, die mit ihr durch schwierige Zeiten gehen und einen großen Bauch, aus dem heraus er alle gefühlsbedingten Entscheidungen mit ihr trägt.

Verlorenes Ei

Es lebe der Pantoffelheld

Und dann war da noch der bemitleidenswerte Jammerlappen, der sich freiwillig von zarter Frauenhand hart an die Kandare nehmen lässt, immer schön "Männchen" macht und mit dem Schwanz wedelt. Er ist so daran gewöhnt, sich zu ducken, statt aufzumucken, dass er seinen Schnitzbuckel mit dem extrem eingezogenen Genick für angeboren hält. Dieses Vorgängermodell des heutigen Weicheis läuft brav bei Fuß auch ohne Leine, gibt Laut auf Befehl, hält ansonsten aber die Schnauze und apportiert pünktlich jeden Monatsersten seinen Lohn. Empfehlenswert ist die Haltung eines solchen Exemplars vor allem deshalb, weil er nicht am Tisch bettelt, dauernd ins Bett will oder herumstreunt. Natürlich ist nicht jeder Mann mit einer starken weiblichen Seite schwach genug, sich einer konsequenten Erziehung zum folgsamen Wackeldackel zu unterwerfen, ein tendenzieller Leidenswunsch gehört schon auch noch dazu.

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